St. Aurelius-Kirche

St. Aurelius-Kirche in Hirsau

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Gebräuchlich verwendet man den Begriff St. Aurelius als Beschreibung der übrig gebliebenen Kirche (Aureliuskirche), wobei die Kirche eigentlich ein Überbleibsel des Klosters St. Aurelius(1) ist. Es ist die erste Version eines Klosters in Hirsau und der Vorgänger des Klosters St. Peter und Paul. Ausschlaggebend für den Ausbau der damaligen St. Nazarius-Kirche(3) zum St. Aurelius-Klosters war der Hirsauer Codex (codex hirsaugiensis). Mit ihm sollten die Gebeine des heiligen Aurelius von Riditio(2) von Mailand nach Calw überbracht werden.

St. Aurelius I – Überlieferung der Gebeine des hl. Aurelius

Weitere Informationen
1) Das St. Aurelius in der Wikipedia
2) Aurelius von Ridito
3) Vor dem Bau des St. Aurelius befand sich an der Stelle das im Jahr 765 errichtete St. Nazarius bzw. die Nazariuskapelle, über das allerdings nur wenig bekannt ist.

Um ca. 830 n. Chr. überbrachte Bischof Noting von Vercelli die Gebeine des Heiligen Aurelius von Riditio aus Mailand nach Calw. Indem Erlafried, ein Vorfahr der Grafen von Calw und ein Verwandter von Nothing, ihm Land und anderen Besitz übergab, half er Nothing so zum Aufbau einer Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor. Die Gebeine des heiligen Aurelius wurden anschließend vergraben. Ob von Anfang an der Bau eines Benedektinerklosters geplant war ist nicht eindeutig geklärt. Es ist jedoch denkbar, dass eine Klosterzelle bereits fungierte und später ausgebaut wurde. Das recht kleine Kloster St. Aurelius I blieb bis ins neue Jahrtausend bestehen, verfiel aber ca. ab dem Jahr 1000 zunehmend.

St. Aurelius II – der Papst auf der Suche der Gebeine

St. Aurelius Kirche Hirsau
Die Aurelius-Kirche von der Nordwestseite

Im Jahre 1049 war es der Papst selbst, der den Wiederaufbau des Klosters in Bewegung setzte. Zunächst war der deutsche Papst Leo IX (zuvor Bruno von Egisheim-Dagsburg) nur auf der Suche der Gebeine des hl. Aurelius, die er anschließend ausgraben ließ. Er befahl aber auch seinem Neffen Adalbert Graf von Calw das Kloster St. Aurelius erneut zu errichten. Um das Jahr 1059 wurde mit dem Neubau angefangen. Es sollte eine dreischiffige romanische Säulenbasilika mit Querhaus und apsidalem Chorabschluss werden. Das Langhaus überspannte sich über 4 Joche. Im südlichen Bereich des Gebäudes wurde eine Klausur und ein Kreuzgang errichtet, westlich wurde das Gebäude von zwei massiveren Türmen abgegrenzt.

Der Umzug des Klosters

Im Jahre 1082 wurde durch eine Reform des Abtes Wilhelm von Hirsau am Bau des Kloster St. Peter und Paul begonnen. Nach 10 Jahren, also 1092 zogen die Mönche dann ins neue Kloster. Das St. Aurelius-Kloster bekam nun eine untergeordnete Rolle. Ende des 15. Jahrhunderts wurde nochmals eine Renovierung des St. Aurelius angeordnet, diese Idee allerdings auch 1555 aufgrund der Reformation verworfen. In 1584 wurden baufällige Teile des St. Aurelius abgerissen, darunter die Kirche und die Klausur. Überreste des St. Aurelius dienten später nur noch als Stall, Turnhalle oder Abstellplatz.

St. Aurelius-Kirche in Hirsau
Die Aurelius-Kirche aus süd-östlicher Richtung gesehen, rechts das Klostermuseum

Noch einmal interessant sollte es zwischen 1876 und 1989 werden, als mehrfach archäologische Grabungen stattfanden, die umfangreich Aufschluss über die Baugeschichte des Aureliusklosters gaben.

St. Aurelius heute

Heute wird das Langhaus mit den vier Jochen und der dazwischen liegenden Vorhalle als katholische Kirche verwendet. Der Stil geht in Richtung Hallenkirche, also ohne Obergaden. Anbindende Öffnungen zu abgerissenen Gebäuden wurden zugemauert, die wenigen Öffnungen für den Lichteinfall wurden mit gefärbten Glasfenstern abgedichtet.

Jeweils an Sonn- und Feiertagen finden nach wie vor katholische Gottesdienste in der St. Aurelius Kirche statt.

Das ehemalige Forstmeisterhof wurde 1991 zum Klostermuseum umgestaltet, das von der Stadt Calw und dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg betrieben wird.